Ein Kapitel für sich

Fernsehfilm in 3 Teilen, die Fortsetzung von Tadellöser & Wolff
Nach Romanen von Walter Kempowski

Erstsendung am 26.und 29.Dezember 1979 sowie am 1.Januar 1980 (ZDF)


Drehbuch/Regie:..................EberhardFechner
Kamera:..............................Gero Erhardt
Regieassistenz:...................Jannet Fechner-Gefken
Produktion:..........................Ullstein AV, im Auftrag von ZDF,ORF,SRG;


Besetzung: Edda Seipel, Ernst von Klipstein, Stephan Schwartz, Jens Weisser, Klaus Höhne, Gabriele Michel, Jesper Christensen u.a. ;


Ein Kapitel für sich
Bei den Dreharbeiten

Nur wenige Wohnungen sind nicht von Bomben zerstört, an den meisten der unbeschädigten Häusern hängen weiße Fahnen - Rostock am 1. Mai 1945. Die Bevölkerung erwartet voller Angst die Sowjetarmee.
Mutter Kempowski, Sohn Walter und Großvater de Bonsac haben sich auf dem Balkon bei einem Glas Wein zu einer privaten Friedensfeier versammelt. Das Schicksal des Vaters und des älteren Sohnes Robert, die als Soldaten am Krieg teilnahmen, ist ungewiß - die Familie hat keine Nachricht von ihnen. Plötzlich peitschen Gewehrschüsse durch die Straßen, und Maschinengewehrsalven knattern. Die Kempowskis flüchten in die Wohnung...
Auch die ersten Friedensjahre werden für die Familie eine Zeit voller Entbehrungen, Enttäuschungen und trauriger Ereignisse....

Fechner gelingt mit seiner abermals konsequenten und mosaikartigen Dramaturgie eine in sich schlüssige, verständliche und nicht verurteilende, richtende Annäherung an die jüngste Vergangenheit.Er seziert aus dem grossen Ballast der Kollektivschuld, des Untertauchens, des Nicht-Dabeisein-Gewesenwollens einer bestimmten, identifizierbaren Schicht des deutschen Volkes persöhnliche und individuelle Momente des Versagens, des Glücks und des menschlichen Tiefpunkts. " Ein Kapitel für sich" schildert auch die Anpassungsschwierigkeiten während der Trümmerjahre: Millionen von Aus- und Umsiedlern mussten in eine zerschlagene, körperlich wie geistig tief gefallene Nation intergriert werden. Die Familiengeschichte der Kempowskis steht für viele.

Dieser Film handelt von Grundsituationen menschlichen Verhaltens, von der Kunst des Überlebens in einer bösen Zeit. Die Erklärung für das Interesse, das die Darstellung solcher unheilvoller Begebenheiten beim Zuschauer auslösen kann, findet sich leicht in der allgemein bekannten Anziehungskraft des Schrecklichen auf den Menschen. Der römische Dichter Lukrez schrieb schon vor zweitausend Jahren: ' Wenn die Stürme das Meer bearbeiten, ist es süß, am sicheren Strand zu stehen und in Ruhe das Spektakel von Menschen in Seenot zu geniessen; in der Vergleichung unserer eigenen Sicherheit mit der wahrgenommenen Gefahr liegt das Vergnügen am Tragischen.' "
(
Eberhard Fechner, von der Kunst des Lebens in einer bösen Zeit, zit. nach: ZDF-Jornal, Nr.45, 8.11. 1979).

Walter Kempowski
Fechner, mit Walter Kempowski, aufgenommen in einer Drehpause.