Tadellöser & Wolff

2teiliger Fernsehfilm von Eberhard Fechner
Erstsendung am 1.und 3.Mai 1979 (zweiteilig, ZDF)



Regie und Drehbuch:....Eberhard Fechner
Kamera:......................Gero Erhardt
Schnitt:.......................Barbara Grimm
Regieassistenz:...........Jannet Gefken-Fechner
Produktion:..................Polyphon für ZDF
nach dem Roman von Walter Kempowski

Besetzung: Edda Seipel, Karl Lieffen, Martin Semmelrogge, Gabriele Michel, Martin Kollewe, Michael Poliza, Jesper Christensen, Ernst Jacobi;

tadelloeser und wolff
Eberhard Fechner mit Walter Kempowski

Teil 1

„Tadellöser & Wolff“ bedeutet im Jargon des Rostocker Reeders und Leutnants der Reserve Karl Kempowski soviel wie „gut“, wohingegen „Mieswitzer & Jensen“ das Gegenteil besagt. Sein Sohn Walter verlebt seine Jugend in einem konservativ-deutschnationalen Elternhaus. Dort betrachtet man Hitler und die Nazis zwar mit Kritik, geht aber insgesamt mit der Entwicklung konform. Dem großbürgerlichen Lebensstandard entsprechend, zieht die Familie Kempowski von Lübeck nach Rostock, wo sie noch für einige Jahre eine unbeschwerte Zeit erlebt. Ein Familienurlaub in Sophienbad soll das große Ereignis werden. Mitten in den Urlaubsfrieden platzt die Hiobsbotschaft: Der „Korridor“ wurde geschlossen. Vater Kempowski meldet sich freiwillig, doch auf den Freimaurer will man verzichten. Relativ gut absorbiert Walter das Geschwätz linientreuer Lehrer und beflissener Jungvolkführer. Er erlaubt sich sogar den Luxus langer Haare. Im Sommer 1940 muss Vater Kempowski dann doch zum Militär, die ersten Gefallenen gilt es zu ehren, und die Hitlerjugend gewinnt Oberwasser. Die trotz der Kriegswirren unbeschadete Idylle der Familie Kempowski wird jäh durch den Angriff auf Rostock im April 1942 unterbrochen, bei dem der Hafen und die Altstadt in Flammen aufgehen.

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Eberhard Fechner im Gespräch mit seinen jungen Darstellern

Teil 2

Als nach der Schreckensnacht im April 1942 der Däne und zukünftige Kempowski-Schwiegersohn Sven Sörensen unter Spionageverdacht verhaftet wird, ist es Grete Kempowski, die spontan bei der Gestapo vorstellig wird und ihn wieder freibekommt. Auch die Familie Kempowski glaubt inzwischen nicht mehr an einen deutschen Sieg, aber doch noch „an ein ehrenvolles Remis“. Vater Kempowski hat andere Vorstellungen von seinem Zuhause, als sie inzwischen der Wirklichkeit entsprechen. Während seines Urlaubs findet er in der Wohnung überall Requisiten des neuen Mannes im Haus: Sörensen. Nach anfänglichem Krach kommen sich die beiden Männer schließlich geschäftlich näher. Trotzdem treffen nach der Verlobung von Ulla und Sörensen böse Feldpostbriefe vom Vater ein, dem die Heirat seiner Tochter mit einem Ausländer zu dieser Zeit gar nicht passt. Aber er erscheint bei der Hochzeitsfeier und spielt sogar auf dem Klavier den Mendelssohnschen Hochzeitsmarsch. Ulla verliert die deutsche Staatsbürgerschaft und verlässt mit ihrem Mann Deutschland. Im Mai 1943 wird auch Sohn Robert eingezogen, und Walter kommt zu den Flakhelfern. Im Oktober erhält der Vater ein letztes Mal Fronturlaub, der allerdings von der Sorge um den inzwischen kriegsgefangenen Robert und um das tägliche Brot überschattet ist. Im Februar 1945 wird Walter zur kasernierten Hitlerjugend eingezogen. Als Kurier kommt er bis nach Mannheim und München. In Berlin gibt es inzwischen schon keinen Alarm mehr, das Ende des Krieges zeichnet sich ab. Walter gelingt es, durch die Fronten zu pirschen. Wie durch ein Wunder erwischt er einen Zug, der ihn auf dem Trittbrett bis nach Rostock befördert. Dort hofft und wartet man auf die Engländer.