Wolfskinder

Fernsehfilm von Eberhard Fechner (1990)


Regie und Drehbuch:....Eberhard Fechner
Regieassistenz:...........Jannet Gefken-Fechner
Kamera:......................Karsten H. Müller
Ton:............................Henner Reichel
Produktion:..................Eberhard Fechner-Filmproduktion
Redaktion:...................Franz Neubauer

Eberhard Fechners neue Spurensuche
(Heinz Ungureit)

Eberhard Fechner glaubte unerschüttert an die fiktionalen Möglichkeiten des Wirklichen und an die realistische Grundlage
alles Fiktionalen. Im Grunde seines Herzens war er Dokumentarist, aber erzählender, eingreifender, den die spannenden Erlebnisse normaler Menschen zwischen Privatem und Geschichtlichem interessierten.

Nun hatte er wieder zugehört,einer ostpreussischen Flüchtlingsfamilie, Kinder damals, heute Mittfünfziger,die sich auf den Trecks aus ihrer Heimat verloren und auf wundersame Weise wieder zusammenfanden.Das sind Berichte aus einer verschwundenen Kindheit,aus einer untergegangenen.gleichwohl lebendigen Welt, die immer deutlicher vor uns entsteht,je genauer sich die Geschwister erinnern. Es wird dramatisch, unglaublich, wäre es erfunden, aber ganz authentisch und nah in der Kunst der Fechnerschen Filmmontage.

Wolfskinder

Die Romane von Walter Kempowski handhabte Fechner so, als wären es Dokumente; die Schauspieler der Fiktion nahm er so, als wären es wirkliche Figuren ihrer Geschichte.Nun werden die Realpersonen, die Fechner zu seinem unverkennbaren filmischen Dialog bringt, zu Protagonisten eines Dramas, das einem den Atem verschlagen kann. Fechner hatte recht, bei Fernsehspielen braucht man nicht unbedingt auf spektakuläre Ereignisse zu setzen, sondern sie "könnten ganz durchschnittliche, gewöhnliche, normale Menschen zeigen, wie es unsere Zuschauer eben auch sind. Ich brauche ein Ereignis auch nicht als außergewöhnlich zuzubereiten und hochzustilisieren, sondern kann mich damit als mit dem ganz Normalen auseinandersetzen,ohne dabei auf Spannung verzichten zu müssen."

Spannend ist das, was wir von den ostpreusischen "Flüchtlingskindern" erfahren, allemal. Da müsste ein fiktionaler Autor seine Phantasie schon sehr strapazieren, um auf eine solche Geschichte, solche Menschen und dieses Drama zu kommen.Fechner widmete den Film den litauischen Bauern, die nicht nur in diesem Fall deutschen Flüchtlingen sehr geholfen, ihnen oftmals das Leben zwischen den Fronten gerettet haben. Auch ein Kapitel der Geschichte, an das zu erinnern gerade jetzt wichtig ist.

Fernsehfilm